Veranstaltungsdetails

25.04.2018 - 19:30 Uhr / Buchhandlung Rüffer / Flensburg

Vortrag von Dr. Harald Hohnsbehn

Friedrich Spielhagen – „der angesehenste deutsche Romanschriftsteller der Gegenwart“ (Fontane)
Annäherungen an einen „Bestseller“ des 19. Jahrhunderts

Über eine lange Zeit musste Theodor Fontane – zumindest was den Erfolg betraf – zu dem zehn Jahre jüngeren Kollegen Friedrich Spielhagen aufsehen. Er sei ein „Heros“ gegen ihn, der doch „in allem nur so mitschwimme“, schrieb er 1872 an Mathilde von Rohr. Erst im Laufe der 1880er Jahre kehrten sich die Verhältnisse um und der späte Ruhm Fontanes überstrahlte die bröckelnde Reputation Spielhagens. Seit den Angriffen der Brüder Heinrich und Julius Hart auf seinen angeblichen „Pseudorealismus“ begann sein Stern zu sinken; Versuche, sich der naturalistischen Richtung anzunähern, wurden kaum anerkannt, und nachdem die letzten Lebensjahre durch Krankheit und Schicksalsschläge überschattet waren, starb der einst gefeierte Autor am 25. Februar 1911 bereits weitgehend vergessen.

Inzwischen sind jedoch auch die Brüder Hart nur noch Literaturhistorikern geläufig, und die Frage erscheint berechtigt, ob es sich ungeachtet ihres vernichtenden Urteils nicht doch lohnt, Friedrich Spielhagen wieder in den Blick zu nehmen, denn man stößt nicht nur auf einen versierten Schriftsteller, der auch heute noch zu unterhalten vermag, sondern auch auf einen geradlinigen Menschen, der seiner linksliberalen Grundhaltung – anders als Fontane – stets treu geblieben ist und ein markanter Kritiker von Fehlentwicklungen in den Jahren vor und nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches war. Trotz gelegentlicher Überzeichnungen bietet er in seinen besten Zeitromanen durchaus differenzierte Gesellschaftsbilder, die auch Randgruppen und „Verlierer“ nicht aussparen. Werke wie „Problematische Naturen“, „In Reih’ und Glied“, „Hammer und Amboss“ oder „Sturmflut“ haben insofern auch heute noch Beachtung verdient, denn sie eröffnen Einblicke in die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, die darzustellen das Ziel aller Realisten war.

Fontane hat Spielhagens Arbeiten persönlich nicht besonders geschätzt, sich jedoch öffentlich auch anerkennend geäußert und über viele Jahre eine zwar lose, aber freundschaftliche Beziehung gepflegt, die allerdings zumindest von seiner Seite durch Vorbehalte geprägt und wohl nicht immer ganz aufrichtig gewesen ist. Wenn er wüsste, dass es in „seiner“ Sektion nun um den doch längst besiegten Rivalen gehen soll, würde er vielleicht ein wenig mit den Zähnen knirschen, möglicher Weise aber auch nur eine etwas bedenkliche Miene aufsetzen. Wir wollen auf seine vielgerühmte Altersweisheit bauen.

Harald Hohnsbehn

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