Kreistag NF mit Thema Insekten- und Vogelsterben

02.11.2017

Stummer Frühling in Nordfriesland

Nordfriesland - Zum TOP 'Stummer Frühling - Insekten- und Vogelsterben in Nordfriesland’
des Kreistages am 17.11.2017 stellen die Fraktionen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP folgenden Antrag:

„Bundesweit ist ein drastischer Artenrückgang bei vielen Insekten- und Vogelarten  festzustellen, so  der aktuelle Agrar-Report ‚Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft’ vom Bundesamt für Naturschutz (BfN).

Der KT beauftragt deshalb den Umwelt- und Energieausschuss sich mit dem anhaltend rückläufigen Trend der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft und möglichen Gegenmaßnahmen zu befassen.  
Konkret sollten dabei folgende Fragen beantwortet werden:
•    In den letzten Jahren ist die Zahl der Fluginsekten in Teilen Deutschlands dramatisch zurückgegangen, in Nordrhein-Westfalen um 80 Prozent. Wie sieht das in Schleswig-Holstein bzw. in Nordfriesland aus?
•    Welche Konsequenz hat der rapide Schwund von Insekten- und Vogelarten für Nordfriesland bzw. Schleswig-Holstein?
•    Ist der massive Rückgang der Insekten überwiegend in landwirtschaftlich genutzten Flächen Nordfrieslands bzw. Schleswig-Holsteins zu beobachten oder auch in weniger genutzten Bereichen?
•    Konnte ein Schwund der Insekten in Schleswig-Holstein stärker auf der Ebene der Artenvielfalt oder mehr bei den Individuenzahlen festgestellt werden?
•    Wenn es keine wissenschaftlichen Daten zum Insektensterben gibt, wie kann dann ein landkreisweites Insekten-Monitoring etabliert werden?
•    Vogelarten der offenen Landschaften sind am stärksten bedroht: Wie sehen die Bestandszahlen im Nationalpark, in Schutzgebieten und in den anderen Bereichen im Kreis aus?
•    Wie kann die Bevölkerung im Bereich insektenfreundliche Blühpflanzen in Gärten und über die Artenvielfalt der Insekten und den Schwund in diesem Bereich stärker und besser eingebunden werden?

Den gewonnenen Erkenntnissen sollen entsprechende Aktionen folgen. Hierbei sind die betroffenen Verbände und Organisationen aus Landwirtschaft und Naturschutz zu beteiligen. Der Finanzierungsbedarf, auch für Öffentlichkeitsarbeit, ist zu ermitteln. Ein Operationsplan wird gemeinsam mit der Verwaltung erstellt, handelnde Partner werden benannt und einbezogen“.


Begründung:
Der drastische Artenrückgang bei den Insekten- und Vogelarten ist nicht mehr zu verleugnen. "Der Stumme Frühling", ein Roman von Rachel Carson 1962 erschienen, beschreibt zum ersten Mal die schädlichen Auswirkungen chemischer Pflanzengifte auf Natur und Menschen sehr deutlich.
Heute wird wieder vom "Stummen Frühling" gesprochen, da u. a. Untersuchungen des Krefelder Vereins aus dem Jahr 2013 publik geworden sind, dass die Zahl der Fluginsekten in einem Naturschutzgebiet seit 1989 um bis zu 80 Prozent zurückgegangen ist.

Auch in dem aktuellen Agrar-Report ‚Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft’ vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) wird von einem anhaltenden rückläufigen Trend der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft gesprochen. "Überproportionale Bestandsrückgänge bei den Kleininsekten und Spinnen fressenden Vogelarten lassen indirekt auch auf einen Rückgang der Insekten schließen", so das BfN.
Man geht davon aus, dass es Insekten an Lebensraum fehlt: Ackerflächen reichen heute oft bis an Straßen, es gibt kaum bunt bewachsene Randstreifen, die Felder sind riesig, es überwiegen Monokulturen. Hinzu käme der Einsatz hochwirksamer Pestizide, mit denen das Saatgut heute schon von vornherein präpariert ist. Pflanzenschutzmittel wie Neonicotinoide wirkten wie eine Droge auf Bienen, die dann etwa ihren Stock nicht mehr finden.

Für viele Vogelarten sind Fluginsekten lebenswichtig. Die herbstlichen Laubberge in Wäldern werden zum großen Teil von Insekten abgebaut. Die Reinhaltung von Gewässern hängt maßgeblich von Insektenlarven ab. Viele mögliche Folgen lassen sich aber noch nicht erahnen.
Folgende Zahlen zu den Rückgängen von den Vogelbeständen:

"Feldlerche: minus 35 Prozent, Braunkehlchen: minus 63, Kiebitz: minus 80, Rebhuhn: minus 84 Prozent. Und all das innerhalb weniger Jahrzehnte. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich der Vogelbestand in Deutschland halbiert; jede dritte Art nimmt im Bestand deutlich ab. In Europa sieht es ähnlich aus: Zwischen 1980 und 2010 sind allein aus der Agrarlandschaft 300 Millionen Brutpaare verschwunden, das entspricht etwa einem Fünftel des gesamten Vogelbestandes unseres Kontinents."

Für die Fraktionen

M. Uekermann             U. Schwalm                                J. Tessin
CDU                             Bündnis 90 / Die Grünen           FDP

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